Wer in der Schweiz nach einem privaten Seitensprung oder nach Seitensprung-Kontakten sucht,
stösst bei Google sehr weit oben auf Kleinanzeigen: Rubriken wie «Sie sucht ihn» oder «Affäre
gesucht» auf den grossen Inserate-Plattformen, mit Anzeigen aus der eigenen Region. Das wirkt
direkter als ein Portal — und ist es auch. Nur funktioniert es nach anderen Regeln, und die
sollten Sie kennen, bevor Sie antworten oder selbst inserieren.
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Wie eine Seitensprung-Kontaktanzeige funktioniert
Eine Kontaktanzeige ist ein öffentlicher Text mit Ort, Alter und einer kurzen Beschreibung. Wer
antworten will, schreibt über ein Kontaktformular, per E-Mail oder ruft an. Es gibt in der Regel
kein Profil mit Verlauf, keine Prüfung der Person und keine Moderation, die über das Entfernen
offensichtlich unzulässiger Inhalte hinausgeht.
Das ist der grundlegende Unterschied zu einem Seitensprung-Portal:
Dort meldet man sich an, legt ein Profil an und schreibt innerhalb eines geschlossenen Systems.
Bei einer Kleinanzeige verlassen Sie dieses System mit der ersten Antwort — und tauschen
E-Mail-Adresse oder Telefonnummer mit jemandem, über den Sie nichts wissen.
Was für Inserate spricht
- Sie kosten meist nichts. Lesen ist gratis, Inserieren in vielen Rubriken
ebenfalls. - Sie sind lokal. Anzeigen sind nach Kanton oder Stadt sortiert, man sieht
sofort, was in der Nähe angeboten wird. - Es gibt kein Abo. Damit entfällt das Risiko, das bei Portalen am häufigsten
Ärger macht: die automatische Verlängerung.
Was dagegen spricht
- Niemand prüft, wer schreibt. Weder Alter noch Identität noch Absicht. Eine
Anzeige ist ein Text, den jeder verfassen kann. - Private und kommerzielle Angebote stehen nebeneinander. In denselben Rubriken
finden sich bezahlte Telefondienste, deren Tarif pro Minute erst im Kleingedruckten steht, und
Anzeigen, hinter denen ein entgeltliches Angebot steckt. Formulierungen wie «gegen TG»
(Taschengeld) bedeuten: Es geht um Bezahlung, nicht um einen privaten Seitensprung. - Ihre Kontaktdaten sind sofort draussen. Wer auf eine Anzeige antwortet, gibt
in der Regel eine echte E-Mail-Adresse oder Telefonnummer preis — an eine unbekannte Person. - Anzeigen sind öffentlich auffindbar. Ein selbst aufgegebenes Inserat kann
von jedem gelesen werden, auch von Menschen, die Sie kennen.
Die zwei Betrugsmuster, die Sie kennen sollten
Beide Maschen sind nicht auf Kleinanzeigen beschränkt, finden dort aber besonders leicht ein
Gegenüber, weil niemand die Profile prüft. Die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) beschreibt
sie ausführlich.
Sextortion: Erpressung nach einem intimen Chat
Der Ablauf laut SKP: Eine Person gibt sich online als attraktive Bekanntschaft aus, lenkt das
Gespräch in einen Videochat und zeichnet dort intime Aufnahmen auf. Danach folgt die Forderung:
Geld, sonst wird das Material veröffentlicht oder an Kontakte geschickt. Die SKP rät klar,
nicht auf die Forderung einzugehen und nicht zu zahlen, den Kontakt abzubrechen, alle Belege zu
sichern und Anzeige zu erstatten
(skppsc.ch, Sextortion).
Erpressungsmails ohne echtes Bildmaterial lassen sich zudem beim Bundesamt für Cybersicherheit
melden (report.ncsc.admin.ch).
Für jemanden, der eine Affäre diskret halten will, wiegt diese Masche besonders schwer, weil die
Erpressung genau auf diese Diskretion zielt. Gerade deshalb gilt: Zahlen beendet sie nicht.
Liebesbetrug: Gefühle zuerst, dann ein Notfall
Beim sogenannten Romance Scam baut jemand über Wochen eine Beziehung auf, oft mit schnellen
Liebeserklärungen, ohne dass es je zu einem Treffen kommt — bis ein angeblicher Notfall eintritt,
für den Geld gebraucht wird. Die SKP nennt als Warnsignale unter anderem schnelle
Liebeserklärungen vor dem ersten Treffen, Bitten um Geld oder um intime Bilder
(skppsc.ch, Romance Scam).
Wer eine Affäre sucht, ist dafür nicht weniger anfällig als jemand, der die grosse Liebe sucht —
eher im Gegenteil, weil er niemandem davon erzählt.
Wenn Sie auf eine Anzeige antworten
- Verwenden Sie eine eigene E-Mail-Adresse, die mit nichts anderem verknüpft
ist — weder mit Ihrem Namen noch mit anderen Konten. - Geben Sie Ihre Telefonnummer nicht in der ersten Nachricht weiter. Über eine
Nummer lässt sich oft mehr über eine Person herausfinden, als man denkt. - Schicken Sie keine Fotos, auf denen Sie erkennbar sind, bevor Sie die Person
getroffen haben. Und keine intimen Bilder, auch nicht später im Chat. - Bestehen Sie auf einem ersten Treffen an einem öffentlichen Ort. Wer das
ablehnt oder es immer wieder verschiebt, hat meist einen Grund. - Zahlen Sie nichts im Voraus. Kein «Unkostenbeitrag», keine Fahrtkosten,
keine Gutscheinkarte. Ein privater Kontakt kostet kein Geld.
Wenn Sie selbst ein Inserat aufgeben
Ein Inserat ist öffentlich. Schreiben Sie es so, als würde es Ihr Nachbar lesen — denn das kann
er. Das bedeutet:
- kein Foto mit Gesicht, kein Bild aus Ihrer Wohnung oder von Ihrem Arbeitsplatz,
- keine Angaben zu Beruf, Arbeitgeber oder Wohnquartier,
- als Ort lieber die grössere Stadt in der Nähe als die eigene Gemeinde,
- Kontakt nur über das Formular der Plattform oder eine eigene E-Mail-Adresse.
Mehr zur digitalen Seite der Diskretion — Mitteilungsvorschau, Browserverlauf, verknüpfte
Konten — steht auf der Seite Diskretion bei einer
Affäre.
Inserat oder Portal: die Entscheidung auf einen Blick
| Kriterium | Kontaktanzeige | Seitensprung-Portal |
|---|---|---|
| Kosten | meist gratis | Einstieg gratis, Schreiben kostenpflichtig |
| Prüfung der Mitglieder | keine | je nach Anbieter, vor dem Bezahlen prüfen |
| Ihre Kontaktdaten | gehen mit der ersten Antwort hinaus | bleiben im System, bis Sie sie selbst weitergeben |
| Absicht des Gegenübers | muss erfragt werden | ist mit der Anmeldung angegeben |
| Vertragsrisiko | keines | Laufzeit, Verlängerung, Kündigung |
| Hauptrisiko | Betrug, getarnte kommerzielle Angebote | Abo-Bedingungen, Profile ohne echtes Mitglied |
Keiner der beiden Wege ist grundsätzlich sicherer. Die Kontaktanzeige verlagert das Risiko vom
Vertrag auf die Person, das Portal von der Person auf den Vertrag. Wer sich für ein Portal
entscheidet, findet auf der Seite
Seitensprung-Portale erkennen die Punkte,
die vor der Anmeldung zu prüfen sind. Einen Überblick über alle Wege, in der Schweiz eine Affäre
zu finden, gibt die Seite Eine Affäre finden.
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